Buchempfehlung: Kritik der Migration; Wer profitiert und wer verliert; von Hannes Hofbauer

Buchempfehlung:

 

Kritik der Migration

Wer profitiert und wer verliert

 

von Hannes Hofbauer

 

2018, Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.H., Wien

ISBN: 978-3-85371-441-6

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In einer Zeit grassierender oberflächlicher Betrachtungen und begrenzter Argumentationen ist es besonders wichtig, die Kunst des Bücher-Lesens zu pflegen und zu fördern. Gerade die Menschen, die von gerechten Gesellschaftsordnungen träumen und sich hierfür einsetzen, sollten den erforderlichen Mut aufbringen, sich tiefgründig mit den Gegebenheiten, Ursachen und Auswirkungen zu beschäftigen. In diesem Sinne möchte ich das im September 2018 erschienene Buch des österreichischen Autors und Verlegers Hannes Hofbauer empfehlen.

Im Vorwort seines Buches schreibt Herr Hofbauer: „Es war das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem »i«, als die Chefin der deutschen Regierung, Angela Merkel, unter aufmunternden Zurufen aus Unternehmer- und Kirchenkreisen im Hochsommer 2015 die Migrationsschleuse für Muslime aus dem Nahen Osten öffnete. Das Kapital hoffte auf billige Arbeitskräfte und die Kirchen lieferten das ideologische Beiwerk der Menschlichkeit. Einem kritischen Beobachter fiel sofort auf, dass an dieser Inszenierung etwas nicht stimmen konnte.

Die Not von Kriegsflüchtlingen wurde im europäischen Zentralraum der Wirtschaft zum Nutzen und dem Gewissen zur Beruhigung angeboten. Mit diesem genialen Schachzug gelang es, die Diskussion über die auslösenden Faktoren für Migration sowie ihren zerstörerischen Charakter für die Herkunftsländer, aber auch die Zielländer der Auswandernden zu verdecken.

Die medial und politisch dominierende Darstellung von Migration als Zeichen von Weltoffenheit und Diversität prallt allerdings zunehmend auf die Wirklichkeit der gesellschaftlichen und politischen Kosten. Weil eine strukturelle sozioökonomische Kritik an Mobilität insgesamt – mit Ausnahme ökologischer Ansätze, die allerdings in der Migrationsfrage nicht vorkommen – fehlt bzw. bewusst hintertrieben wird, konnte die politische Rechte an ihrer Stelle das Opfer der weltweit zunehmenden ungleichen Entwicklung, den Migranten bzw. die Migrantin, zum Sündenbock stempeln. Sie befeuert damit einen rassistischen Diskurs.

Die politische Linke wiederum schwankt zwischen Schockstarre und der Übernahme liberaler Postulate. In diesen wird Migration, getreu ihrer Verwertbarkeit und in multikultureller Blauäugigkeit, zu einem nicht hinterfragbaren positiven Bekenntnis. Die ihr zugrunde liegende weltweite Ungleichheit bleibt ausgeblendet bzw. wird dem karitativen Denken untergeordnet. Damit verstellt der einzelne, von Krieg, Krise oder Umweltzerstörung gezeichnete Migrant den Blick auf die Funktion von Migration. Tatsächlich bildet diese den Schlussstein im Mosaik globalistischer Interventionen, deren wirtschaftliche und/oder militärische Ausgriffe Millionen von Menschen ihre Lebensgrundlage entziehen. An die Abfolge Schießen-Flüchten-Helfen und ihre ständige Wiederkehr haben sich nicht nur die Zyniker dieser Welt bereits gewöhnt. Sie zu durchbrechen, hat sich der vorliegende Text zur Aufgabe gemacht.“

Weiterhin heißt es im Vorwort des Buches: Um Struktur und Funktion aktueller Migrationsbewegungen besser einschätzen zu können, ist ein Blick in die Geschichte hilfreich. Die Zerstörung von Lebensgrundlagen, Kriege und Vertreibungen sowie Umweltkatastrophen gehören seit Jahrhunderten zu den entscheidenden Ursachen für Wanderungen. Die meisten von ihnen sind von Menschen gemacht und Ausfluss ökonomischer und/oder geopolitischer Interessen.“

Der Autor verfolgt die Migrationsgeschichte zurück „bis zur weißen/schwarzen Besiedelung Amerikas, dem mutmaßlich langwierigsten und brutalsten Migrationsgeschehen“. Er beschäftigt sich mit den „europäischen Arbeitswanderungen des 18. und 19. Jahrhunderts“, „den Flucht- und Zwangsarbeiterregimen der beiden Weltkriege, den »Gastarbeiter«-Wellen seit den späten 1950er-Jahren und der Mobilisierung von OsteuropäerInnen im Gefolge von politischen Zusammenbrüchen und Jugoslawienkrieg in den 1990er-Jahren“ sowie mit der großen „Wanderung der Muslime zur Mitte der 2010er-Jahre“. Anschließend werden die „gesellschaftlichen Auswirkungen von Migration sowohl in den Herkunfts- als auch in den Zielländern der ein (besseres) Überleben Suchenden“ untersucht (s. hierzu das Inhaltsverzeichnis).

Der interessierte Leser findet in den Fußnoten der Texte zahlreiche Dokumente, die im Internet aufrufbar sind. Auf weitere Schriften und Bücher weist die Literaturliste hin.

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S. auch:

Wohlstand migrieren, nicht Menschen!
„Eine humanistische Kritik am Wesen der Migration ist längst überfällig“, erklärt Autor und Rubikon-Beiratsmitglied Hannes Hofbauer im Exklusiv-Interview.
von Jens Lehrich
8.12.2018
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Wichtige internationale Dokumente:

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte 1948

Genfer Fluechtlingskonvention 1951

Globaler Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration 2018

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Offizielle Daten und Statistiken:

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Deutschland)

Aktuelle Zahlen zu Asyl

http://www.bamf.de/DE/Infothek/Statistiken/Asylzahlen/AktuelleZahlen/aktuelle-zahlen-asyl-node.html

Jahresberichte

http://www.bamf.de/DE/Infothek/Statistiken/Asylzahlen/BundesamtInZahlen/bundesamt-in-zahlen-node.html

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Bundesministerium für Inneres (Österreich)

Zahlen zu Asyl

https://www.bmi.gv.at/301/Statistiken/start.aspx#jahr

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Rat für Migration (Deutschland)

Publikationen

https://rat-fuer-migration.de/category/publikationen/

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UNCHR (UNO-Flüchtlingshilfe)

Flüchtlinge weltweit

https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/zahlen-fakten/

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The World Bank

Migration and Remittances Data

http://www.worldbank.org/en/topic/migrationremittancesdiasporaissues/brief/migration-remittances-data

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Wichtige Analysen:

2015 IPPNW Opferzahlen nach 10 Jahren “Krieg gegen Terror“

2017 UNCHR Forced Displacement

2017 OXFAM Factsheet Wirtschaftssystem für alle

2017 OXFAM Economy for the 99 percent

2017 Greenpeace Klimawandel, Migration und Vertreibung

Kündigung des Truppenstationierungsvertrags auf die Tagesordnung gesetzt

25. Friedenspolitischer Ratschlag in Kassel, Dezember 2018
Kündigung des Stationierungsvertrags auf die Tagesordnung gesetzt
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

( Am 5.12.2018 veröffentlicht unter: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25441 )

 

Am 1. und 2. Dezember 2018 fand in Kassel der 25. Friedenspolitische Ratschlag statt. Das war eine gute Möglichkeit, einen die verschiedenen Teile der Friedensbewegung verbindenden Gedanken einzubringen – nämlich den Gedanken, dass mittels Kündigung des Truppenstationierungsvertrags erhebliche Anteile der Kriegsmaschinerie innerhalb von nur zwei Jahren von deutschem Boden verbannt werden können – von Ramstein bis Kalkar, von EUCOM bis AFRICOM, von Ulm bis Wiesbaden-Erbenheim und nicht zuletzt die auf deutschem Boden gelagerten US-Atomwaffen. Zu diesem Zweck war ein von 51 Unterzeichnern getragener Antrag an den Friedensratschlag vorbereitet. Der wurde in Arbeitsgruppen und Plenum eingebracht und an alle Teilnehmer des „Friedenspolitischen Ratschlags“ verteilt. Wenn es auch nicht zu einer Abstimmung kam, so wurde das Thema damit doch sehr präsent. Lühr Henken, einer der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag sagte zu, die Kündigung des Truppenstationierungsvertrags im Bundesausschuss Friedensratschlag zum Thema zu machen.

Der Antrag an den Friedensratschlag 2018 hat folgenden Wortlaut:

In Dublin hat vom 16. bis 18. November 2018 die „Erste Internationale Konferenz gegen US- und NATO-Militärbasen“ mit der Forderung, weltweit alle US/NATO-Basen zu schließen, stattgefunden. Der beste Weg, dies in Deutschland zu erreichen, ist die Kündigung des Vertrages über den Aufenthalt ausländischer Streitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland (kurz Truppenstationierungsvertrag genannt). Das Plenum des Friedensratschlags 2018 in Kassel möge deshalb von Bundesregierung und Bundestag fordern:

Kündigt den Vertrag über den Aufenthalt ausländischer Streitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland entsprechend der vertraglich vereinbarten Frist von 24 Monaten, damit alle militärischen Einrichtungen von USA und NATO auf dem Boden der Bundesrepublik innerhalb von zwei Jahren aufgelöst werden – darunter die Kriegsdrehscheibe Ramstein mit ihrer Drohnen-Relaisstation, EUCOM, AFRICOM, die NATO-Kommando-Zentrale in Kalkar wie auch die Lagerstätten der US-Atomwaffen. Beendet so die grundgesetz- und völkerrechtswidrige Kriegspolitik der US-geführten NATO von deutschem Boden aus.

An diese Forderung anknüpfend regen die UnterzeichnerInnen des Antrags an, im „Aktionsjahr 2019“ eine Konferenz durchzuführen. Denn angesichts der massiven Aufrüstungspläne von NATO und EU incl. Deutschland, der ‚Modernisierung‘ der (auch in Deutschland lagernden) Atomwaffen, der drohenden Kündigung des INF-Vertrages durch die USA und der höchstwahrscheinlich damit verbundenen (weiteren) Stationierung von atomar bestückten Kurz- und Mittelstreckenraketen mitten in Europa incl. Deutschland(!) ist die Friedensbewegung dringend aufgerufen, „die in Dublin begonnene Diskussion fortzusetzen und auf einer Konferenz der gesamten deutschen Friedensbewegung sich mit allen US- und NATO-Militärbasen in unserem Land und deren strategischer Bedeutung, der Kündigung des Truppenstationierungsvertrages und dem Austritt Deutschlands aus der NATO zu befassen“ (zitiert aus LUFTPOST vom 18.11.2018). Die UnterzeichnerInnen bitten die in Kassel Versammelten, konkrete Schritte in Richtung einer solchen Konferenz zu unternehmen.

UnterzeichnerInnen: Sebastian Bahlo, Hartmut Barth-Engelbart, Prof. Dr. Rudolph Bauer, Peter Bautsch, Peter Betscher, Anita Beyer, Dr. Wolfgang Bittner, Antonie Brinkmann, Anneliese Fikentscher, Wolfram Fischer, Lisa Fitz, Dr. Daniele Ganser, Annette van Gessel, Senne Glanschneider, Dr. Rudolf Hänsel, Klaus Hartmann, Annemarie Hildebrandt, Jean-Theo Jost, Wolfgang Jung, Hajo Kahlke, Dr. Ansgar Klein, Helene Klein, Dr. Klaus-Peter Kurch, Heinz Leipold, Dr. Manfred Lotze, Friedrich Lüeße, Prof. Dr. Georg Meggle, Prof. Dr. Maria Mies, Ullrich Mies, Dr. Amir Mortasawi, Andreas Neumann, Prof. Dr. Norman Paech, Brigitte Queck, Milica Radojkovic-Hänsel, Klaus von Raussendorff, Dr. Werner Rügemer, Ann Rupp, Rainer Rupp, Helmut Schmidt, Renate Schoof, Dr. Dietrich Schulze, Willi Schulze-Barantin, Ernesto Schwarz, Brigitte Streicher, Fee Strieffler, Arn Strohmeyer, Jürgen Suttner, Gisela Vormann, Georg Maria Vormschlag, Jane Zahn, Elke Zwinge-Makamizile

weiterlesen: Den Stationierungsvertrag kündigen

 

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Siehe auch die folgenden Beiträge der „Luftpost (Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein)“:

 

LP 151/18 – 28.11.18

Wir veröffentlichen eine Übersetzung des Presse-Communiqués der 1. Internationalen Konferenz gegen US- und NATO-Militärbasen, die vom 16. bis 18. November 2018 in der irischen Hauptstadt Dublin stattgefunden hat.

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP15118_281118.pdf

LP 150/18 – 26.11.18

Wir haben den in englischer Sprache vorgetragenen Redebeitrag übersetzt, den Lucas Wirl für die Kampagne Stopp Air Base Ramstein in Dublin auf der 1. Internationalen Konferenz gegen US- und NATO-Militärbasen gehalten hat.

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP15018_261118.pdf

LP 146/18 – 12.11.18

Anmerkungen zu der via Rubikon ausgetragenen Kontroverse zwischen Klaus von Raussendorff und Karl-Heinz Peil um die Kündigung des Truppenstationierungsvertrages

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP14618_121118.pdf

Botschaften

Botschaften

(30.11.2018)

 

Für Verena Tobler Linder

 

Manchen Menschen bin ich noch nicht

persönlich begegnet, und doch

beleben mich ihre Botschaften

 wie die morgendlichen Sonnenstrahlen

So mache ich mein Herzens Fenster

willentlich weit auf

damit ihre Düfte betörend einströmen

Träumen wir von blühenden Landschaften

als Entwicklungsraum der Kinder

sind wir auf ein erleuchtetes Zusammenspiel

aller Lebewesen angewiesen

֎֎֎

 

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Für alle Fälle

Für alle Fälle

(30.11.2018)

 

Sollte ich eines Tages

nicht mehr wissen

ob es die, der oder das Blume heißt

oder was zwei plus vier ergibt

so erzähle mir von der Farbentracht

unserer Erlebnisse auf Wanderwegen

vom befreienden Lachen

 unserer Kinder und Enkelkinder

von den gemeinsam genossenen Sonnenuntergängen

und sing mir ein altes Lied vor

Gewiss werden dann manche Vernetzungen

in meinem Gehirn beschwingt glänzen

֎֎֎

 

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Muscheln und Perlen

Muscheln und Perlen

(20.10.2018)

 

Manchmal lebe ich wochenlang

tagein, tagaus

mit Menschen zusammen

die allgemein als gestorben gelten

für mich aber lebendiger sind

als zahlreiche Zeitgenossen

Ich tauche ein in ihre Ozeane

suche selig nach Juwelen

auch in manch tiefer Dunkelheit

 bringe ihre Schätze ans Tageslicht

mit der innigen Hoffnung

dass meine Umgebung

fruchtbar gedeihen kann

֎֎֎

 

 

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Wiedersehen

Wiedersehen

(12.10.2018)

 

Die frisch gepflügten Kornfelder

riechen bezaubernd nach Lebenslust

Der erhabene Baum am schimmernden See

lässt goldene und rote Blätter frei tanzen

um die Sonne im Wasser zu küssen

Die grün-bräunliche Schilfwand

bietet dem Liebespaar eine Kulisse

für bleibende Erinnerungen

Von der langen Reise zurück

bestätigt deine Anwesenheit

 meine Definition von Glück

֎֎֎

 

 

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Kreislauf

Kreislauf

(12.10.2018)

 

Zu manchen Bäumen

pflege ich besondere Beziehungen

so auch zu der Platane voller Poesie

am Rande des Kinder-Spielplatzes

auf der anderen Straßenseite

Heute läuteten ihre Blätter

im Zauber des Abendrots

fabelhaft die Muße ein

In wenigen Wochen wird wohl der Wind

ihre  nackten Äste in Tanz versetzen

und das Schicksal der Blätter besingen

die zum Geburtshelfer neuen Lebens werden

֎֎֎

 

 

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Danksagung

Danksagung

(9.10.2018)

 

meinen Patienten gewidmet

 

Der Zufall verwandelte uns gegenseitig

für einen wunderbaren Augenblick

zu wachen Wegbegleitern

Jenseits der zugeteilten Rollen

fanden menschliche Begegnungen statt

tiefe Einblicke schenkend

So nahmen wir wechselwirkend

am Schatz der Lebensweisheiten teil

entwickelten uns weiter

begriffen bewegt die Bedeutung

der freien Verbundenheit

und entfachten das Feuer der Lebensfreude

֎֎֎

 

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Billiges Gewissen

Billiges Gewissen

(6.10.2018)

Die ach so großmütigen Machthaber

bestimmten eindeutig den erlaubten Rahmen

des kritischen Denkens und Handelns

und forderten ihre Untertanen

zur eifrigen Anteilnahme auf

Die Untertänigen atmeten erleichtert auf

folgten dankend und ehrerbietig

Mit erhobenem Haupt

Schaum im Mund

und Schlamm in der Hand

verteidigten sie überzeugt

ihr gebilligtes gutes Gewissen

vor Störungen der nicht erlaubten Kritik

֎֎֎

 

 

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