Verfallendes Land

Die Textreihe „Verfallendes Land. Bilder und Texte für die in meiner zweiten Heimat lebenden Menschen“ entstand in den Jahren 2010 und 2011. Mit vielseitiger Unterstützung meines Anfang 2012  verstorbenen Freundes, Wolfgang Kuhlmann, wurden die Texte bei seiner FriedensTreiberAgentur (FTA) veröffentlicht.

Die Textreihe begann mit der folgenden Einleitung:

 Am 31.1.1979 betrat ich zum ersten Mal dieses Land. Als fleißiger, enthusiastischer Gymnasialschüler hatte ich nur einen Wunsch im Kopf: so schnell wie möglich die verschiedenen Etappen einer medizinischen Ausbildung zu beenden und als Arzt in meine Heimat, den Iran, zurückzukehren. Hätte jemand mir damals gesagt, ich würde den Eintritt des Rentenalters in Deutschland erleben, hätte ich ihn bestimmt für verrückt und weltfremd gehalten.
Am 27.12.2008 betrat ich erneut dieses Land. Ein achtzehn Monate andauerndes Experiment, als Arzt im Iran zu arbeiten, war zu Ende gegangen. Nach einem sechs Monate langen Evaluierungspraktikum bei drei iranischen Kollegen und nach dreimonatigem Warten auf die langsam drehenden Mühlen des Gesundheitsministeriums hatte ich all die Dokumente zur uneingeschränkten Tätigkeit als Herzchirurg im Iran erhalten. Diesen ersten Schritt hatte ich durch Geduld und Gelassenheit gemeistert. Meine anschließend erfolgten hartnäckigen Unternehmungen hatten jedoch ergeben, dass nur durch die Aufgabe prinzipieller Überzeugungen mein inzwischen fast dreißig jähriger Traum zu verwirklichen wäre. Ich verzichtete und gab auf.
Am 7.1.2009 fand das Vorstellungsgespräch statt, das ein ehemaliger deutscher Kollege arrangiert hatte. Acht Tage später fing ich wieder an, in Deutschland ärztlich tätig zu sein. Ich zerschlug das Gefäß, in dem ich seit 1979 meine Wurzeln von der einen Stadt in die andere getragen hatte und fing an, hier heimisch zu werden.
 Heimat ist wohl der Ort, wo ein Mensch zu Hause ist, wo er sich heimisch fühlt. So wurde Deutschland, sieben Jahre nach meiner offiziellen Einbürgerung, zu meiner Heimat, meiner zweiten, neuen Heimat.
Die Texte in der vorliegenden Sammlung wurden für die Menschen verfasst, die in meiner neuen Heimat leben und arbeiten. In der Hoffnung, dass sich immer mehr Menschen sich für eine bessere Welt engagieren, werden diese Text- und Bilderreihe in der Zukunft ergänzt und fortgesetzt.
Salz, den 6.3.2010
Amir Mortasawi (alias Afsane Bahar)

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Band I

2010_bahar_verfallendes land1

erschienen 2010 / 2011

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Band II

2010_bahar_verfallendes land-2

erschienen 2011 bei

FriedensTreiberAgentur

Wolfgang Kuhlmann

40591 Düsseldorf

Bilder gegen den Krieg Momentaufnahmen aus dem Iran

Die Textreihe „Bilder gegen den Krieg. Momentaufnahmen aus dem Iran“ entstand in den Jahren 2009 bis 2011 und wurde mit vielseitiger Unterstützung meines Anfang 2012  verstorbenen Freundes, Wolfgang Kuhlmann, bei seiner FriedensTreiberAgentur (FTA) veröffentlicht.

Der erste Beitrag im September 2009 begann mit der folgenden Einführung:

Es ist Anfang Oktober. Die Temperaturen sind für die deutschen Verhältnisse recht sommerlich. Wir fahren nach Igol. In dem Auto, in dem ich sitze, sind meine Kusine, ihr vierzehn jähriger Sohn, ihr Mann und mein Vetter. Es sind weitere drei Autos unterwegs. Wir haben auch kleine Kinder – zwei, sechs und zehn Jahre alt – bei uns. Eigentlich ist Igol der Name einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Teheran im Elburs-Gebirge, oder so wie die Iraner es aussprechen: „Albors“. Wir werden aber mit der hügeligen Umgebung dieser Ortschaft was zu tun haben. Geplant ist eine Wanderung zu einem wunderschönen Wasserfall. Die Vegetation ist im Vergleich zu Deutschland relativ karg, der Herbst hat aber eine prachtvolle Tracht vorbereitet und ich fange an, die Seele baumeln zu lassen. Doch eine Sache stört mich auch an diesem ruhigen, Ruhe spendenden Tag trotz der wohltuenden Geborgenheit in der Großfamilie. Das ist die tief sitzende Angst vor einem neuen Krieg.

Das Zauberwort heißt „Dämonisieren“ bzw. „Entmenschlichen“. So fängt jeder Krieg an, längst bevor die Waffen sprechen. In diesem Sinne ist der Krieg gegen den Iran voll im Gange. Die iranischen Demagogen an den Machthebeln sitzend tun auch ihr Bestes dazu, Futter für diese Propagandaschlacht zu liefern. Wenn Menschenleben nicht auf dem Plan stünde, könnte man sagen, es ist ein trauriges Spiel, was da getrieben wird. Da jedoch die Bevölkerung den Preis mit allen erdenklichen Mitteln zahlen wird, ist das Adjektiv makaber besser angebracht.

Ich denke darüber nach, ob ich dem deutschen Leser es vermitteln kann, dass im Iran Menschen leben mit ähnlichen Sorgen, Wünschen und Beschäftigungen. Die Informationen in deutschen Medien erzeugen oft nur ein verzerrtes Bild von den wahren Gegebenheiten im Iran. Hat man jedoch einmal begriffen, dass bei der Berichtserstattung über Kriege hinter den Fernsehbildern Menschenleben stecken, so wird man hoffentlich einmal mehr über den Sinn und Unsinn von Waffeneinsätzen nachdenken. Das ganze bespreche ich mit meinen Angehörigen und Bekannten. Im weiteren Verlauf wird ein Projekt entworfen. Meine Erinnerungen und die Beiträge meiner Bekannten sollen Bilder gegen den Krieg liefern, Momentaufnahmen aus dem Iran zur Friedensstiftung.

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Band I

Bilder gegen den Krieg Band I

erschienen 2009 / 2010

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Band II

Bilder gegen den Krieg Band II

erschienen 2010 / 2011 bei


FriedensTreiberAgentur

Wolfgang Kuhlmann

40591 Düsseldorf