Die große Flucht. Ursachen, Hintergründe, Konsequenzen

Buchempfehlung:

 

Conrad Schuhler

Die große Flucht

Ursachen, Hintergründe, Konsequenzen

 

2016; PapyRossa Verlag

ISBN: 978-3-89438-601-6

 

 

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Bei den Landtagswahlen im März 2016 erhielt die AfD in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt zwischen 12 und 24% der abgegebenen Stimmen. Insgesamt 1,3 Millionen Menschen entschieden sich für eine Partei mit unverhüllter fremdenfeindlicher Programmatik.

In seinem Buch „Die große Flucht. Ursachen, Hintergründe, Konsequenzen“ stellt Conrad Schuhler, Diplom-Volkswirt und Vorsitzender des Instituts für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung (isw) in München, fest: „Dass die Rechten, Pegida und Co. und AfD, massenhaft Zulauf bekommen, liegt nur zum Teil daran, dass Nazis und Faschisten die Zeit für gekommen halten, ihren mörderischen Hass endlich zeigen zu können. Zu einem guten Teil ist es darauf zurückzuführen, dass viele Menschen Angst haben, dass die Migranten ihnen das bisschen an materieller Habe und sozialem Besitz, das sie haben, weiter beschneiden. Mit „Wir schaffen das“ und „Das zahlen wir aus der Portokasse“ sind diese Millionen nicht zu beruhigen. Weil sie sehen, dass das nicht stimmen kann. Diese Beschwichtigungstöne werden die Menschen weiter nach rechts treiben.

Eine linke Analyse muss zeigen: Die Kosten der Integration sind hoch und werden weiter steigen. Wir können sie aufbringen, ja, wir können das schaffen. Aber dazu müssen wir die Kriterien der Verteilung des Volkseinkommens und der Verteilung von Macht verändern. Es beginnt mit einer neuen Antwort auf die Frage, wer und wie für die Integrationskosten aufkommen soll. In Wahrheit stehen wir vor der Frage, die Einkommens- und Vermögensverhältnisse bei uns grundsätzlich neu zu regeln, wenn wir der mit der neuen Völkerwanderung aufgebrochenen Dramatik gerecht werden wollen.“ [Seite 83]

Eine richtungsweisende Analyse muss die wesentlichen Ursachen der „neuen Völkerwanderung“ unmissverständlich benennen. Conrad Schuhler unterscheidet hier drei wesentliche Ursachen:

„• Die kriegerischen Aktivitäten, die in erster Linie auf die „Weltordnungspolitik“ des Westens zurückgehen.

• Das Reichtumsgefälle in der Welt, vor allem der unerträgliche Hunger und die materielle Perspektivlosigkeit in vielen Regionen.

• Die Ruinierung des Klimas, die in vielen Regionen die Lebensbedingungen noch verschlimmert und die Menschen zur Aufgabe ihrer Heimat zwingt.“ [Seite 84]

Er stellt fest: “Will man an die Ursachen heran, geht es, was die Kosten für das neoliberale Kapital anlangt, um viele hundert Milliarden Dollar/Euro pro Jahr. Das neoliberale Kapital will sich das nicht bieten lassen. Es wird deshalb keine Umkehr bei der Überwindung der Fluchtursachen geben, wenn es nicht gelingt, die neoliberale Vorherrschaft zu brechen.“ [Seite 89]

Der Autor zählt einige Möglichkeiten zur Finanzierung der erforderlichen Integration der Migranten auf und fasst zusammen: „Zählt man diese Posten zusammen – die Notwendigkeit, der lahmenden Konjunktur mit einem Investitionsprogramm aufzuhelfen; den Haushaltsüberschuss; die Einführung einer Vermögenssteuer für Millionäre; die Erhöhung des Spitzensatzes der Einkommenssteuer; die Rückführung des Rüstungshaushaltes – dann kommen wir auf weit über 100 Milliarden Euro, das Zwei- bis Dreifache dessen, was für eine angemessene Finanzierung der Flüchtlinge gebraucht wird. Und wir hätten die nötigen Mittel, die große Masse der deutschen Bevölkerung besser zu stellen.

Es gibt allerdings einen großen Vorbehalt: Das alles müsste gegen die Eliten von Politik, Wirtschaft und Medien durchgesetzt werden, die auf Sicherung der Pfründe und Vorrechte von Konzernen und Reichen aus sind. Humanismus erweist sich letztlich nicht im Darlegen schlüssiger Gedanken und moralischer Prinzipien, so wichtig beides auch ist. Im Kern geht es um deren Überführung in praktische Politik. Humanismus ist eine politische Kampfansage.“ [Seite 98]

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Inhaltsverzeichnis

I. Flüchtlinge, die Generalmobilmachung durch die Rechte und: Schaffen wir das?

[Seite 9 bis 20]

  1. Das Hochkochen von Fremdenfeindlichkeiten und Rassismus
  2. „Wir schaffen das!“ Was eigentlich?
  3. 60 Millionen Flüchtlinge – und das ist erst der Anfang
  4. Deutschland und Flüchtlingszahlen

 

II. Die Hauptursachen der Flucht: Krieg, Armut, Umweltkatastrophen

[Seite 21 bis 40]

  1. Die Hauptherkunftsorte von Flüchtlingen
  2. Flucht und Terror, die Rolle des Islam
  3. Woher kommen Armut und Elend in der Welt?
  4. Und woher kommen die Kriege?
  5. Die Kernfrage: Flüchtlinge der Preis des globalen Kapitalismus? Also Revolution? Und vorher?

 

III. Die Flüchtlingsfrage oder die doppelte Zweiteilung der Welt: in Nord und Süd, in Arm und Reich

Die Herausbildung der globalen Apartheit

[Seite 41 bis 52]

 

IV. Warum sind Europa und Deutschland Hauptziele der Flüchtlinge?

[Seite 53 bis 61]

  1. Deutschland – das gelobte Land der Flüchtlinge?
  2. Flüchtlinge: „Ein konjunkturpolitischer Glücksfall“?

 

V. Die Antwort Deutschlands und Europas: Ausbau zur Festung

[Seite 62 bis 72]

  1. Europa schottet sich ab
  2. Deutschland – die Fratze der Abschreckung

 

VI. „Das Boot ist voll“ – „Wir sind nicht das Weltsozialamt“

Die Hauptlügen der Propaganda gegen Flüchtlinge

[Seite 73 bis 89]

  1. Wie voll ist Boot Deutschland?
  2. Wie teuer wird das? Und wer soll das bezahlen?
  3. Was müsste geschehen, wenn man diese Fluchtursachen wirklich „überwinden“ will?
  4. Fazit

 

VII. Wie wir die Kosten der Integration aufbringen können

[Seite 90 bis 98]

  1. Reiches Deutschland – doch wer besitzt den Reichtum?
  2. Welche Möglichkeiten der Finanzierung müssen ergriffen werden?
  3. Fazit

 

VIII.

Flüchtlinge und die „Islamisierung des Abendlandes“

[Seite 99 bis 110]

  1. Neoliberalismus: Der Kampf aller gegen alle
  2. „Islamisierung des Abendlandes“ – ein neuer Sündenbock für die verheerenden Mängel des Systems
  1. Die „deutsche Leitkultur“ – Mechanismus zum Ausschluss der „Fremden“
  2. Flucht, Terror und Islam

 

IX.

Flüchtlinge sind der Prise der kapitalistischen Globalisierung – Und wie lösen wir das Problem?

[Seite 111 bis 127]

  1. Die neoliberale Welt: Freie Mobilität für alles – nur nicht für die Menschen
  2. Das Konzept „Festung“ wird nicht funktionieren – es führt zu fortschreitender Barbarei
  1. In der Tat: Der Kapitalismus muss aufhören, er selbst zu sein
  2. Globalen Kapitalismus überwinden – und bis es soweit ist?
  3. Die zentrale Forderung: Eine massive Umverteilung von Oben nach Unten
  4. Die EU: Ihr moralischer Bankrott angesichts der Flüchtlingsfrage – für eine soziale Unionsbürgerschaft
  1. Solidarität statt Austerität – die Losung für das gemeinsame Handeln
  2. Die nächsten Maßnahmen: Schluss mit den Waffenexporten! Stoppt TTIP!

 

Literatur

[Seite 128 bis 131]

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