Abdollah Behzadi: (Allen Unkenrufen zum Trotz) بهاران خجسته باد

Inspiriert durch ein Gedicht des iranischen Poeten Abdollah Behzadi entstand der folgende deutsche Text. Das persische Gedicht wurde im März 1961 als Nachruf für Patrice Lumumba, den Ende 1960 ermordeten ersten Präsidenten der unabhängigen Republik Kongo, in Teheran veröffentlicht.

Allen Unkenrufen zum Trotz

Was für eine Herzensfreude,
diese betörende Luft einatmen zu können,
wenn wilde Tulpen und Narzissen sprießen.
Zugvögel sind zurückgekehrt
und zwitschern das Lied der Hoffnung.
Das Lebenselixier strömt in den Pflanzenadern.
Oh ja, der Glück bringende Frühling ist angekommen.

Den Freunden und Bekannten,
den zur Erneuerung Entschlossenen,
den eine bessere Welt Erbauenden,
all denjenigen, die mit dem Stift als Mittel
den Verfall und das Elend
überall auf dieser Welt aufdecken,
soll der Frühling Glück bringen.

Der Frühling wird unser Vorbild sein:
den lähmenden Ketten der Kälte und Starre,
der zermürbenden Last der Dunkelheit und Unwissenheit,
der versklavenden Armut,
in welcher Form auch immer,
an welchem Ort auch immer,
werden wir allen Unkenrufen zum Trotz,
beharrlich, entschlossen und stolz
ein Ende setzen.

***

عبدالله بهزادی

هوا دلپذیر شد، گل از خاک بردمید
پرستو به بازگشت زد نغمهء امید
به جوش آمدست خون درون رگ گیاه
بهار خجسته باز فراوان رسد ز راه
به خویشان، به دوستان، به یاران آشنا
به مردان تیز خشم که پیکار می کنند
به آنان که با قلم تباهی و درد را
به چشم جهانیان پدیدار می کنند
بهاران خجسته باد
بهاران خجسته باد
و این بند بندگی
و این بار فقر و جهل
به سرتاسر جهان
به هر صورتی که هست
نگون و گسسته باد
نگون و گسسته باد

http://www.parand.se/t-baharan-khojasteh-bad.htm

http://www.bbc.co.uk/persian/world/2013/01/130116_u07_patrice_lumumba_assassination_congo.shtml

رقصی که خود زندگیست Ein Tanz, der Leben ist

für Annice

27.6.2012

Das Schicksal bot uns eine Gelegenheit,
und wir ergriffen sie.
Ein flüchtiger Blick am ersten Tag:
Neugier.
Ein kurzes Gespräch am zweiten Tag:
Sympathie.
Und Gedankenaustausch beim nächsten Treffen:
Faszination.
Bezaubernde, tanz mit mir den Tanz, der Leben ist.

Mal heranziehen,
dann loslassen.
Für ein Moment stürmisch sein
wie der Regen im Frühling,
danach zögerlich und bedenklich
wie der Schneefall unterm Mondschein.
Eine Weile das Hineinsehen ermöglichen,
dann das Fenster vorübergehend schließen.
Kurz das Umschlingen auskosten,
anschließend sich abweisend zeigen.
Schritt halten,
den Rhythmus herausfinden,
bange blicken,
von Träumen leben,
einen Menschen entdecken.
Bezaubernde, tanz mit mir den Tanz, der Leben ist.

****

برای آنیس

تصادف صحنه را برایمان آراسته بود
و ما نمایش را آغاز کردیم
نگاهی گذرا در نخستین روز
کنجکاوی زاده شد
گفتگوئی کوتاه در دوّمین روز
علاقه چهره بنمود
تبادل افکار در سوّمین دیدار
تحسین سر برافراشت
محبوبم، با من تو برقص، رقصی که خود زندگیست

لختی بسوی خود کشیدن
و آنگاه رها نمودن
لحظه ای متلاطم بودن
چون باران در بهار
و بعد سرشار از تردید و درنگ و تأمل
چون ریزش برف در زیر نور ماه
لحظه ای نظر را بدورن راه دادن
سپس پنجره را گذرا بستن
درآغوش گرفتن را زمانی مزه مزه کردن
و بعد خود را سرد و کم مهر نشان دادن
همگام شدن
وزن آهنگ را یافتن
نگران نگریستن
از رؤیاها زیستن
انسانی را کشف کردن
محبوبم، با من تو برقص، رقصی که خود زندگیست

۞۞۞

هفتنم تیر ماه هزار و سیصد و نود و یک
Rotenburg an der Fulda

Was ich möchte … دلم چه می خواهد

für Annice


Solltest du mich fragen,
was ich eigentlich möchte,
so werde ich dir sagen:
Ich möchte
aus deinem Blickwinkel das Universum betrachten,
mit deinem Gehör die Welt belauschen,
in deiner Haut den Regen am Bergsee erleben,
die Sprache deiner Augen lernen,
die Geschichten deines Lebens aufmerksam anhören,
jegliche Schwingung deiner Stimmung wahrnehmen,
den Anlass deiner Tränen begreifen,
dich unbekümmert lachen sehen,
jede Sekunde unserer Entdeckungsreise auskosten,
und einen bunten Strauß an Erinnerungen zusammenfügen,
allerdings nur dann
wenn diese Wünsche auf Gegenseitigkeit beruhen.

***

دلم چه می خواهد

برای آنیس


چه خوش بی مهربونی سر بسر بی
که یکسر مهربونی دردسر بی
اگر مجنون دل شوریده ای داشت
دل لیلی از او شوریده تر بی
بابا طاهر عریان

اگر از من بپرسی
که در واقع چه می خواهم
تو را این چنین پاسخ خواهم گفت

دلم می خواهد
از دیدگاه تو کائنات را نظاره گر شوم
با دستگاه شنوائی تو به جهان گوش فرادهم
با پوست تو باران را بر لب دریاچهء کوهستانی تجربه کنم
داستانهای زندگیت را هوشیارانه بشنوم
کوچکترین دگرگونیهای حالاتت را حس بنمایم
دلیل اشکهایت را درک کنم
ببینم که چگونه سبکبار می خندی
طعم تک تک ثانبه های سفر اکتشافی مشترکمان را بچشم
و دسته گلی از خاطرات فراهم نمایم

امّا بدان که تمامی این خواسته ها را زمانی گرامی می دارم
که آرزوی متقابل مشابهی نیز در تو وجود داشته باشد

۞۞۞
چهارم تیر ماه هزار و سیصد و نود و یک
Rotenburg an der Fulda, den 24.6.2012

… می طلبد

 

دل من چون دریائی
که بشستست سرتاسر شب
ماسه ها بر لب ساحل هایش
در تمنّای پایِ راهرُوی
وه، روشن نظرِ پاکبازِ دریادلی می طلبد

و لبم لبریز از مهرِ گیاه و رُستن
منتظر مانده تا بخواند سرود رَستن
تک تک یاخته هایش سرشار از آب حیات
هان، پروانه صفتِ تشنه لبی می طلبد

وآسمانِ نِگَهَم پر ز ستاره ست هنوز
نم نمک تر شده از ژالهء شوق، دل افروز
باز تکتازِ هماوازِ رو سویِ سپهر آمده ای می طلبد

۞۞۞
چهارم تیر ماه هزار و سیصد و نود و یک
Rotenburg an der Fulda

Hafez: Antlitz der Geliebten تاب بنفشه می‌دهد طره مشک سای تو

Antlitz der Geliebten
Inspiriert durch ein Gedicht des iranischen Poeten Hafez (* um 1320 – † um 1389)

***

Deine Strähnen,
wie Moschus riechend,
setzen die Veilchen in Schwingung.

Dein Lachen,
dem Herzen Freude und Erleichterung spendend,
bringt die Knospen zum Aufblühen.

Du, meine bezaubernde Blume,
wenn eine Brise dich umweht,
wird sie erheiternd und wohl riechend.
Quäl deinen Nachtigall nicht,
der Nacht für Nacht
dich aufrichtig anhimmelt.

Ich,
selbst vom Zusammensein mit den Engeln gelangweilt,
ertrage jegliches Gerede in der Welt,
um dir nah zu sein.

Schau dir an,
was das Liebesglück bewirken kann:
der sich nach dir sehnende Arme
verzichtet deinetwegen
voller Stolz
auf die Königs Krone.

Das Gewand des Asketen
und der Kelch des Weines
passen zwar nicht zueinander,
ich unternehme jedoch alles Mögliche,
nur um deine Gunst zu gewinnen.

Der Rausch des Weines deiner Liebe
könnte mir erst dann aus dem Sinn gehen,
wenn mein sehnsüchtiger Kopf
sich in den Staub vor deiner Haustür verwandeln würde.
Dem Träumen von dir
gilt die höchste Stellung
in meinem Ansinnen.

Dein Antlitz
entspricht einer betörenden Wiese,
für die ich im Frühling der Schönheit
wie ein Vogel singe.

Berlin, 23.6.2012

***

تاب بنفشه می‌دهد طره مشک سای تو
پرده غنچه می‌درد خنده دلگشای تو
ای گل خوش نسیم من بلبل خویش را مسوز
کز سر صدق می‌کند شب همه شب دعای تو
من که ملول گشتمی از نفس فرشتگان
قال و مقال عالمی می‌کشم از برای تو
دولت عشق بین که چون از سر فقر و افتخار
گوشه تاج سلطنت می‌شکند گدای تو
خرقه زهد و جام می گر چه نه درخور همند
این همه نقش می‌زنم از جهت رضای تو
شور شراب عشق تو آن نفسم رود ز سر
کاین سر پرهوس شود خاک در سرای تو
شاهنشین چشم من تکیه گه خیال توست
جای دعاست شاه من بی تو مباد جای تو
خوش چمنیست عارضت خاصه که در بهار حسن
حافظ خوش کلام شد مرغ سخنسرای تو

Fereydoun Moshiri: Nachahmung شكوه رستن

Nachahmung

inspiriert durch ein Gedicht des iranischen Poeten

Fereydoun Moshiri * (1926 – †2000)

فريدون مشيری

شكوه رستن

***

Wie atmet die Erde auf?
Denken wir darüber nach!

Was für eine klirrende Kälte
schlug das Gesicht der Barmherzigkeit,
zerquetschte das Herz der Erde,
zerbrach den Mut des Gesteins.
Die Vögel starben in Scharen,
die Blumen der Wiese verschwanden auf ewig.
Im Himmel, auf der Erde
lauerte die Angst.
In dem Engpass der Zeit
hielt sich der Tod für eine Weile auf.

Ist es der Weltuntergang?
Darauf hatte der Himmel keine Antwort.
Wird der Garten wieder lachen?
Keiner war davon überzeugt.
Es herrschte eine sonderbare Kälte.

Wie atmet die Erde auf?
Lernen wir davon!

Es ist die Zeit des glorreichen Blühens.
Beim Aufgehen der Frühlingssonne
schmolz der Schnee dahin,
Blumen erhoben den Kopf,
Farben streichelten sich zärtlich durch.

Die Erde hat uns gelehrt,
nicht zu resignieren,
bevor das letzte Wort ausgesprochen ist.
Sind wir der Erde ebenbürtig?
Sie atmet wieder auf.
Ahmen wir ihr nach?!

***

شكوه رستن

چگونه خاك نفس مي كشد ؟ بينديشيم

چه زمهرير غريبي
شكست چهره مهر
فسرد سينه خاك
شكافت زهره سنگ
پرندگان هوا دسته دسته جان دادند
گل آوران چمن جاودانه پژمردند

در آسمان و زمين ، هول كرده بود كمين
به تنگناي زمان ، مرگ كرده بود درنگ

به سر رسيده جهان ؟
پاسخي نداشت سپهر
دوباره باغ بخندد ؟
كسي نداشت يقين
چه زمهرير غريبي
….

چگونه خاك نفس مي كشد ؟
بياموزيم

شكوه رستن اينك
طلوع فروردين
گداخت آنهمه برف
دميد اينهمه گل
شكفت اينهمه رنگ

زمين به ما آموخت
ز پيش حادثه بايد كه پاي پس نكشيم
مگر كم از خاكيم
نفس كشيد زمين ما چرا نفس نكشيم ؟

***
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Fereydoun Moshiri: Ich liebe, deshalb bin ich مهر ميورزيم


Ich liebe, deshalb bin ich!
inspiriert durch ein Gedicht des iranischen Poeten Fereydoun Moshiri *1926 – †2000
فريدون مشيری
مهر مي ورزيم

***

Von dem Wein des Sonnenkusses
ist der Meereskelch
überschwappend voll.
Der Wald hat sich die ganze Nacht
bis zur Morgendämmerung
den Körper im Regen gewaschen
und ist verzaubernd inspirierend.
Jeder von uns ist betört,
seiner Verfassung entsprechend,
von dem Zauber dieses Weinkellers.
Und in mir lebt das Gefühl:
„Ich liebe,
deshalb bin ich!“

۞۞۞

فريدون مشيری
مهر مي ورزيم


جام دريا از شراب بوسهء خورشيد لبريز است
جنگل شب تا سحر تن شسته در باران
خيال انگيز
ما ، به قدر جام چشمان خود ، از افسون اين خمخانه
سرمستيم
در من اين احساس
مهر مي ورزيم
پس هستيم

۞۞۞
http://www.fereydoonmoshiri.org/

Fereydoun Moshiri: Freundschaft دوستی

Freundschaft
inspiriert durch ein Gedicht des iranischen Poeten Fereydoun Moshiri
*1926 – †2000
فريدون مشيری

دوستی

***

Seit längerem spüre ich
wie die Überzeugung in mein Herz
sich tiefer und tiefer verwurzelt
die Freundschaft sei auch eine Pflanze
streichelnd wie die Lotusblume
zärtlich wie der Jasmin
prächtig wie die Magnolie
bezaubernd wie die Lilie
nur ein versteinertes Herz
kann es zulassen
diese Pflanze niederzutreten

Am Anfang einer Bekanntschaft
gleicht jedes ausgesprochene Wort
jeder Gesichtsausdruck
jeder Schritt
einem Korn
das ausgesät wird
durstig nach Wasser
Licht und Wärme
durstig nach Liebe

Pflegst du die Freundschaft richtig
so entsteht ein wunderbares Wesen
bereichert dein Leben
mit Zärtlichkeit
mit Schönheit

Das Leben
ist die Wärme der verbundenen Herzen
wenn du immer noch
ohne Freunde
vor verschlossenen Türen
in der Kälte stehst
wenn der betörende Duft der Liebe
die Wüste deiner Einsamkeit
in keinen Rosengarten verwandelt hat
so streu die Körner neu aus

Mit einem Blick
schreiend vor Sehnsucht
mit einem Gruß
lachend vor Licht
mit einem Händedruck
warm vor Liebkosung
lass uns zusammen gehen
lass uns zusammen singen
lass uns vor Freude glühen
lass unsere Gärten aufblühen

*****

دوستی

دل من دير زمانی است كه می پندارد
دوستی نيز گلی است
مثل نيلوفر و ناز
ساقه ترد ظريفی دارد
بی گمان سنگدل است آنكه روا می دارد
جان اين ساقه نازك را
– دانسته-
بيازارد

در زمينی كه ضمير من و توست
از نخستين ديدار
هر سخن ، هر رفتار
دانه هايی است كه می افشانيم
برگ و باری است كه می رويانيم
آب و خورشيد و نسيمش « مهر » است

گر بدانگونه كه بايست به بار آيد
زندگی را به دل‌انگيزترين چهره بيارايد
آنچنان با تو در آميزد اين روح لطيف
كه تمنای وجودت همه او باشد و بس
بی‌نيازت سازد ، از همه چيز و همه كس

زندگی ، گرمی دل های به هم پيوسته ست
تا در آن دوست نباشد همه درها بسته ست

در ضميرت اگر اين گل ندميده است هنوز
عطر جان‌پرور عشق
گر به صحرای نهادت نوزيده است هنوز
دانه ها را بايد از نو كاشت
آب و خورشيد و نسيمش را از مايه جان
خرج می بايد كرد
رنج می بايد برد
دوست می بايد داشت

با نگاهی كه در آن شوق برآرد فرياد
با سلامی كه در آن نور ببارد لبخند
دست يكديگر را
بفشاريم به مهر
جام دل هامان را
مالامال از ياری ، غمخواری
بسپاريم به هم

بسراييم به آواز بلند
– شادی روی تو
ای ديده به ديدار تو شاد
باغ جانت همه وقت از اثر صحبت دوست
تازه
عطر افشان
گلباران باد

***
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Morden

6.11.2011

Die Rüstungsindustrie entfachte das Morden professionell,
die Völker zahlten die Zeche.

Der UN-Sicherheitsrat begründete das Morden parteiisch,
die Völker zahlten die Zeche.

Parlamentarier rechtfertigten das Morden solidarisch,
die Völker zahlten die Zeche.

Politiker ermöglichten das Morden pragmatisch,
die Völker zahlten die Zeche.

Massenmedien machten das Morden hoffähig,
die Völker zahlten die Zeche.

Geisteswissenschaftler beflügelten das Morden analytisch,
die Völker zahlten die Zeche.

Juristen behandelten das Morden wortklauberisch,
die Völker zahlten die Zeche.

Friedensforscher erklärten das Morden auftragsmäßig,
die Völker zahlten die Zeche.

Journalisten berichteten über das Morden eingebettet,
die Völker zahlten die Zeche.

Hilfsorganisationen beschäftigten sich mit dem Morden zivil-militärisch,
die Völker zahlten die Zeche.

Soldaten vollstreckten das Morden befehlsmäßig,
die Völker zahlten die Zeche.

Uniformierte und zivile Söldner erledigten das Morden präzise,
die Völker zahlten die Zeche.

Menschen wie du und ich entledigten sich des Mordens ignorierend
und sie zahlten doch die Zeche.

Was alles auf der Strecke bleibt. Eine Zusammenstellung von Texten zum militaristischen Denken in Deutschland

Was alles auf der Strecke bleibt
Eine Zusammenstellung von Texten zum militaristischen Denken in Deutschland
15.6.2012

***

(1)

Strafanzeige abgelehnt; Kriegsdebatte geht weiter.
3.6.2010

In einem Schreiben vom 31.5.2010 hat der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (Aktenzeichen 1 AR 655/10; Bearbeiter/in: OAR Vogel) mir mitgeteilt:

„Sehr geehrter Herr Dr. Mortasawi,

Ihre Strafanzeige gegen den Bundespräsidenten, eingegangen am 28.Mai 2010, wurde hier geprüft. Mangels zureichender tatsächlicher Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat wurde davon abgesehen, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten (§ 152 Abs. 2 StPO).“

Der Bote ist bereits zurückgetreten. Das entsprechende Gedankengut herrscht jedoch weiter und wütet weltweit. Deshalb ist es wichtig, dass eine sachliche entlarvende Debatte über die praktizierte zügellose Verachtung des Lebens und der Lebewesen auf unterschiedlichsten Ebenen fortgeführt wird.

Es darf nicht sein, dass das gewöhnliche geballte Ohren betäubende Schweigen wieder die Oberhand gewinnt.

(2)

Was alles auf der Strecke bleibt
5.3.2011

Der adlige Kriegsherr geht augenscheinlich fort
der bürgerliche Kriegsminister setzt buchstäblich fort
Menschenleben bleibt auf der Strecke

käufliche Politiker regieren
Militär und Rüstungsindustrie delegieren
Kinderträume bleiben auf der Strecke

die Bundeswehr wird zweckdienlich umgebaut
das brüchige Rechtsbewusstsein wird zunehmend abgebaut
das Völkerrecht bleibt auf der Strecke

das verführte Wahlvolk wird schlicht verschaukelt
Humanität und Demokratie werden dreist vorgegaukelt
Achtsamkeit und Gefühle bleiben auf der Strecke

aufdeckende Tatsachen werden bewusst verschwiegen
Dunkelheit und Lügen sollen unumkehrbar siegen
Vernunft und Redlichkeit bleiben auf der Strecke

korrumpierte Wissenschaftler verleiten und vertuschen
ehemalige Friedensfreunde rechtfertigen und kuschen
Rückgrat und Courage bleiben auf der Strecke

professionelle Söldner und freiwillige Soldaten morden
öffentlich als Helden gepriesen werden diese Horden
Menschlichkeit bleibt auf der Strecke

(3)

Die Gretchenfrage* aktualisiert

*Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?
Du bist ein herzlich guter Mann,
Allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.
(J. W. Goethe: Faust. Eine Tragödie)

Hinter diesem oder jenem Schleier
verhüllt in unterschiedlichstem Gewande
machen Furore auch heute die Geier
unschuldiges Blut bleibt kleben im Sande

wirken Vaterland, Gott und Ehre nicht
werden erfunden neue Begriffe
so wird verdunkelt am Ende die Sicht
verkauft werden Kriegsgeräte und –schiffe

‘failed states’ und ‘humanitäre Intervention’
rechtfertigen den Staatsterror, vertuschen die Intention
mal nackte Gewalt, mal wirtschaftliche Sanktion
am Ende steht hier und da eine neue Bastion

zur Teilnahme an dieser reichen Beute
zur Regierungsfähigkeit nur eine Gretchenfrage
stimmst für den Krieg du heute
der Staat für dich die Sorge trage

(4)

Die unendlichen Geschichten von Herrn B. Erde.
Tote in Freiburg (Friedland).

29.5.2011

Herrn B. Erde und mich verbindet die zufällige, banale Gegebenheit, dass wir beide in Orwellshausen in Absurdistan leben. Er ist wahrhaftig ein sonderbarer Zeitgenosse.

Heute las ich mehrere Tränen rührende Kondolenzanzeigen in der hiesigen städtischen Zeitschrift „Orwellshausener Bote“. Sie waren an Herrn B. Erde gerichtet und bezogen sich auf den Tod seiner Angehörigen in Freiburg (Friedland).

Aus Neugier rief ich ihn an, stellte mich als Publizist vor und fragte nach den näheren Umständen der Todesfälle. Unerwarteter Weise stellte sich der Trauende als sehr gesprächig und wortreich heraus. „Meine stolzen Söhne waren wegen einer heldenhaften, bewaffneten Mission für Gott und Vaterland unterwegs“, sagte er.

„Um Gottes Willen“, erwiderte ich, seine nationalistische, religiös gefärbte Ausdrucksweise zum besseren Verständnis benutzend. „Aber was suchten Ihre Söhne aus Absurdistan in Freiburg (Friedland), und das noch in bewaffneter Form?“, fragte ich entsetzt.

„Wir sind wieder wer. Die schmachvollen Jahre der Gängelung und meine notgedrungenen Lippenbekenntnisse gehören endlich der Vergangenheit an. Wir sind eine große, ruhmreiche Familie, wissend, intelligent, vielseitig begabt, technisch auf dem höchsten Stande, so wie seltene majestätische Sterne im Himmel, die jetzt wieder uneingeschränkt leuchten können“, lautete seine Antwort.

„Nun, über Ihre glorreiche Familiengeschichte bin ich wohl informiert. Trotzdem möchte ich gerne wissen, was Ihre bewaffneten, verstorbenen Angehörigen in Freiburg (Friedland) unternehmen wollten“, erwiderte ich.

„Ich habe doch gesagt, dass wir eine große Familie sind. Meine gefallenen Helden wollten unsere Interessen in Freiburg (Friedland) verteidigen. Die Welt soll wissen, dass wir unsere Interessen überall durchsetzten werden, wenn nötig auch mit kalten und warmen Waffen. Nach Freiburg (Friedland) werden andere Städte an der Reihe sein“, sagte Herr B. Erde unverblümt. Das Telefonat wurde, aus welchem Grund auch immer, unterbrochen.

Mein Blick galt wieder den Kondolenzanzeigen: „… in ehrenvoller Mission für Gott und Vaterland gefallen …“. Da dachte ich, Absurdistan fehlt wohl noch ein adeliger Monarch, damit das alte Trio wieder hergestellt ist.

(5)

Fremdwörter
25.2.2011

Für die Menschen
die in den von uns entfachten Kriegen
leiden und sterben
kommt es nicht darauf an
ob der Kriegsminister
einen akademischen Grad
oder andere Namenszusätze
mit sich schleppt oder nicht
sondern auf die einfache Frage
ob Gehirn, Rückgrat und Herz
bei uns
Fremdwörter darstellen

(6)

Belanglose Banalitäten, banale Belanglosigkeiten?
20.3.2010

Friede, Freude, Eierkuchen!
Zunächst nach den richtigen Zutaten suchen:

Zwei Gläser voll Täuschung und Tarnung,
anderthalb Gläser heuchelnde Warnung,
ein beachtlicher Schuss suggerierte Dummheit,
drei Esslöffel softe Weisheit,
250 g weiche Wahrheit,
eine gute Prise berechnende Vergesslichkeit,
eine Hand voll bedachte Dreistigkeit.

Dann mischen, kneten, knebeln, spalten,
dass keine Systemgefahr aufkommt, darauf achten.
Bald ist fertig der Friedensbrei.
Lasst die Kritiker bellen, das macht frei.
Macht, Geld und der Sitz im Bundestag,
soll uns erhalten bleiben, Tag für Tag.

Friede, Freude, Eierkuchen!
Zunächst nach dem Unverbindlichen suchen!

(7)

Neue Drohnen braucht das Land*
2.4.2010

*Anlässlich der Ausbildung deutscher Soldaten durch Israel im Umgang mit Drohnen.

Es trafen sich die großen Menschenfreunde
aus dem dunklen, deutschen Walde
einst in der kalten Lichtung
in der Nähe der blutroten Halde,
es ging um eine große Sichtung.

Die infame Propaganda der Widersacher
bezeichnete die Versammelten als Verbrecher.
Es waren aber alle nur Lebensretter,
ihre Namen echte Zungenbrecher:
Schiebel Elektronische Geräte,
HighKopter.de, Mavionics,
AirRobot, EMT,
Rheinmetall Defence Electronic,
microdonres, EADS.
Andere blieben unbenannt,
so wollten sie es.

Die Schirmherrschaft dieser Demonstration,
in der Zeit der heiligen Emanzipation,
hatte erwartungsgemäß keine Mängel
sie war eine echte Taube, ein Friedensengel.
Die Dame kam aus der ehemaligen DDR.
Keine doppelte Gleichberechtigung? Aber bitte sehr!

Zunächst eine chirurgisch präzise Ausschaltung
der Feinde der Menschenrechte,
dann kommt die gerechte Verwaltung,
Nation Building für die befreiten Knechte.
Zur Sicherung deutscher Interessen weltweit
Drohnen braucht das Vaterland, seid ihr bereit?
Unsere Responsibility to protect, sagte dann
der wohl ernährte, so weise Vorsitzende,
fange bei deutschen Soldaten an,
sonst drohe uns das dicke Ende:
Särge mit zugerichteten Toten
bei aller Gleichschaltung der Vision
sind weiterhin keine guten Boten
für unsere gepriesene Friedensmission.

Für diese lukrative Feststellung
gab es riesigen Beifall, stehenden Applaus.
Die Lebensretter setzten fort ihre Sitzung
mit Wonne, Weißwurst und Apfelschmaus.

(8)

Sonderbare Widersprüche
29.12.2011

Wir leben wahrhaftig
in einer ungerechten Welt,
die wegen sonderbarer Widersprüche
im Bersten begriffen ist.

Wenn ich aufgrund vielfältiger Tatsachen
führende Personen der „Weltgemeinschaft“
als Massenmörder bezeichne,
erheben sich aus befreundeten Reihen
warnende Stimmen,
verängstigt,
voller Skepsis.

Wenn ich dabei von einem dieser Massenmörder,
der gleichzeitig ein Friedensnobelpreisträger ist,
als eine „terroristische Gefahr“ erachtet werde,
kann er
sich auf geltendes Landesgesetz berufend
mein Verschleppen, Verhören und Foltern einleiten
und letztendlich auch
mein „gezieltes Töten“ veranlassen.

Wenn derselbe Massenmörder,
der besagte Friedensnobelpreisträger,
neue Angriffskriege anzettelnd
den präemptiven Einsatz von Atomwaffen androht
und dabei den Tod unzähliger Menschen
sowie die bleibende Verwüstung blühender Landschaften
billigend in Kauf nimmt,
bekommt er von der „Weltgemeinschaft“
Applaus und Lobesgeschrei.

Wir leben tatsächlich
in einer durch und durch verzerrten Welt,
die nach Veränderungen schreit.

(9)

Tacheles reden.
7.12.2009

۞۞۞

Hin und wieder ist es sinnvoll, ein Fragezeichen hinter Dinge zu setzen, die wir schon lange für selbstverständlich nehmen.

Bertrand Russell

۞۞۞

* Eine Waffe in der Hand bedeutet, potentiell ein Mörder zu sein.

* Der „Verteidigungsminister“ verteidigt gewalttätig die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Herrschenden, in dem er als Kriegsminister auftritt.

* Soldaten werden hinausgeschickt, um zu töten. Sie töten, um die Interessen der Herrschenden durchzusetzen.

* Öffentliche Veranstaltungen zur Ehrung der Streitkräfte dienen der psychologischen Vorbereitung weiterer Kriege.

* Die Gegner der Freiheit, Gerechtigkeit und Vernunft verfügen über ein mächtiges Heer bestehend aus Geistes- und Naturwissenschaftlern, Schriftstellern, Dichtern, Künstlern und Journalisten. Damit der Widerstand innerhalb der Bevölkerung nicht entsteht bzw. nicht wächst, wird kontinuierlich Verdunklung und Ablenkung getrieben.

* Eine Mischung aus Lügen, Halbwahrheiten, entmutigenden und demoralisierenden Interpretationen, Verschweigen bestimmter Tatsachen und Aufbauschung anderer Gegebenheiten, Aufbau von Feinbildern und Dämonisierung des potentiellen Gegners ebnen den Weg zum Krieg.

* Die Ausbildung der Polizei und Streitkräfte anderer Staaten ist ein Teil der postkolonialen Politik zum Delegieren der erforderlichen Dreckarbeit an die Einheimischen. So wird der Verlust in den eigenen Truppen klein gehalten und die Gefahr einer Auflehnung gegen den Krieg im eigenen Lande bekämpft.

* Aggression und Abschottung nach außen sowie Sozialabbau und Repression im inneren sind zwei Seiten derselben Medaille.

* Der ‚Aufbau ziviler Strukturen‘ und die ‚zivil-militärische Zusammenarbeit‘ dienen der Sicherung des Waren- und Rohstoff-Flusses im Sinne einer mächtigen Minderheit.

* Die Bundeswehr wird in eine schlagkräftige Truppe umgewandelt, die überall auf der Welt eingesetzt werden kann.

* Mit Hilfe der Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) wurden nicht nur über 22 ESVP-Missionen und -Operationen in drei Kontinenten eingeleitet, die das gesamte Spektrum der Aufgaben der „Konfliktverhütung“, der „Krisenbewältigung“ und der „Friedenskonsolidierung nach Konflikten“ abdecken, sondern auch Arbeitsstrukturen reformiert, Planungskapazität ausgearbeitet und weiterentwickelt, „Krisenbewältigungs- und Krisenreaktionsfähigkeit“ verbessert und die Zusammenarbeit der Europäischen Union (EU) mit wichtigen Partnern und beitragenden Drittstaaten intensiviert.

* Die EU wird zu einer militärischen Union (MU) umgebaut und der Einsatz der Streitkräfte im Inneren trotz der Lehren aus der jüngeren deutschen Geschichte ermöglicht.

۞۞۞